Der Kaufpreisfaktor ist die schnelle Kennzahl für den Vergleich vieler Angebote, die Rendite die genaue Kennzahl für die einzelne Kaufentscheidung – beide messen zwar dieselbe Grundrelation aus Preis und Miete, beantworten aber unterschiedliche Fragen und sollten deshalb zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Suche zum Einsatz kommen.

Zwei Kennzahlen, eine Grundrelation

Der Kaufpreisfaktor (auch Vervielfältiger genannt) ist der Kaufpreis geteilt durch die Jahreskaltmiete. Die Bruttomietrendite ist genau der umgekehrte Bruch: Jahreskaltmiete geteilt durch Kaufpreis, mal 100. Ein Faktor von 25 entspricht damit rechnerisch exakt 4 % Bruttorendite, ein Faktor von 20 entspricht 5 %. Wie sich aus der Bruttorendite über Kaufnebenkosten und Bewirtschaftungskosten die tatsächlich relevante Nettorendite ergibt, erklärt unser Ratgeber zur Immobilien-Rendite im Detail – dieser Artikel setzt eine Ebene davor an: Wann lohnt sich welche der beiden Sichtweisen überhaupt?

Umrechnung Kaufpreisfaktor ↔ Bruttorendite

Kaufpreisfaktor Bruttomietrendite
15 6,7 %
20 5,0 %
25 4,0 %
30 3,3 %
35 2,9 %
Bruttomietrendite je KaufpreisfaktorQuelle: Eigene Umrechnung (Bruttorendite = 100 ÷ Kaufpreisfaktor)
Faktor 156,7 %
Faktor 205,0 %
Faktor 254,0 %
Faktor 303,3 %
Faktor 352,9 %

Diese Tabelle zeigt: Wer den Kaufpreisfaktor eines Inserats kennt, kennt automatisch auch die Bruttorendite – eine eigene Berechnung ist für diesen ersten Schritt gar nicht nötig. Der Unterschied liegt nicht in der Mathematik, sondern darin, wofür man die Zahl anschließend braucht.

Wofür der Kaufpreisfaktor gemacht ist

Der Kaufpreisfaktor stammt ursprünglich aus dem Ertragswertverfahren der Gutachterausschüsse, die für viele Orte und Lagen sogenannte Vervielfältiger aus tatsächlichen Verkaufsfällen ableiten. Sein größter Vorteil: Er lässt sich aus jedem Inserat in Sekunden ablesen, ohne Annahmen zu Finanzierung, Nebenkosten oder Instandhaltung zu treffen. Das macht ihn zum idealen Werkzeug, um schnell viele Angebote am selben Ort gegeneinander zu sortieren – etwa wenn du zehn Wohnungen im selben Stadtteil durchgehst und wissen willst, welche im Verhältnis zur Miete günstig erscheinen.

Seine Schwäche liegt genau dort, wo diese Annahmen plötzlich doch wichtig werden: Der Faktor sagt nichts darüber aus, wie hoch die tatsächlichen Bewirtschaftungskosten sind, wie sich die Finanzierung auf dein Eigenkapital auswirkt oder ob die Miete überhaupt marktüblich ist. Zwei Objekte mit identischem Faktor können finanziell völlig unterschiedlich dastehen, sobald Hausgeld, Sanierungsstau oder Leerstandsrisiko ins Spiel kommen.

Wofür die Rendite gemacht ist

Die Nettomietrendite ist die Zahl für die konkrete, individuelle Entscheidung: Sie rechnet Kaufnebenkosten, nicht umlagefähige Kosten und – bei der Eigenkapitalrendite – die tatsächliche Finanzierung mit ein. Genau deshalb ist sie aufwendiger zu ermitteln als der Faktor: Sie braucht Zahlen, die im Inserat selten stehen (Hausgeldabrechnung, Instandhaltungsrücklage, dein persönlicher Zinssatz).

Diese Genauigkeit lohnt sich aber erst, wenn die Vorauswahl steht. Niemand rechnet für zwanzig Inserate die vollständige Nettorendite samt Finanzierungsszenario durch – dafür ist der Faktor da. Sobald aus zwanzig Kandidaten zwei oder drei geworden sind, ist die Rendite die Zahl, die über die tatsächliche Kaufentscheidung entscheidet.

Beispiel: Gleicher Faktor, unterschiedliche Rendite

Zwei Eigentumswohnungen haben denselben Kaufpreisfaktor von 24 – auf den ersten Blick also identisch attraktiv. Der Unterschied zeigt sich erst, sobald Nebenkosten und Bewirtschaftung dazukommen:

Position Wohnung A Wohnung B
Kaufpreis 240.000 € 240.000 €
Jahreskaltmiete 10.000 € 10.000 €
Kaufpreisfaktor 24 24
Kaufnebenkosten 9,5 % (Bayern) 15,0 % (NRW, mit Makler)
Nicht umlagefähige Kosten p. a. 1.200 € 2.600 € (hohe Rücklage)
Bruttorendite 4,17 % 4,17 %
Nettorendite 3,35 % 2,70 %

Beide Wohnungen erscheinen mit demselben Faktor gleich attraktiv – die Nettorendite zeigt, dass Wohnung A finanziell deutlich besser dasteht, weil Bundesland, Maklerkosten und Instandhaltungsrücklage unterschiedlich ausfallen. Ein Vergleich, der beim Faktor stehen bleibt, hätte diesen Unterschied gar nicht sichtbar gemacht.

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Bei Zinsen um 3,5 bis 4 % ist die Lücke zwischen Brutto- und Nettorendite spürbarer als in der Nullzinsphase, weil jeder Prozentpunkt Unterschied direkt darüber entscheidet, ob eine Finanzierung trägt oder nicht. Mein Eindruck aus vielen geprüften Inseraten: Gerade in ruhigeren Marktphasen wie aktuell, mit weniger Nachfragedruck und mehr Verhandlungsspielraum, lohnt es sich, den Faktor nur als groben Filter zu nutzen und für die engere Auswahl konsequent auf die Nettorendite umzusteigen – wer sich in dieser Marktlage allein auf den Faktor verlässt, übersieht leicht genau die Kostenunterschiede, die zwischen einer soliden und einer knappen Finanzierung entscheiden.

Das gilt besonders, weil sich Kaufpreise seit der Zinswende in vielen Lagen langsamer bewegt haben als die Finanzierungskosten – ein Faktor, der vor drei Jahren noch günstig wirkte, kann heute bei genauerer Rendite-Rechnung deutlich knapper ausfallen, als das erste Überfliegen des Inserats vermuten lässt.

Kurz zusammengefasst

  • Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete – schnell, ohne Zusatzannahmen, ideal für die erste Sortierung vieler Angebote am selben Ort.
  • Bruttorendite = 100 ÷ Kaufpreisfaktor – dieselbe Information, umgekehrt ausgedrückt.
  • Nettorendite – bezieht Kaufnebenkosten und Bewirtschaftungskosten ein und ist die Zahl für die konkrete Kaufentscheidung, nicht für den ersten Überblick.
  • Wie sich aus der Nettorendite über die Finanzierung die Eigenkapitalrendite und der Break-Even-Zeitpunkt ergeben, zeigt der Ratgeber zum Break-Even bei der Vermietung.

Eine Immolyze-Analyse berechnet Kaufpreisfaktor, Brutto- und Nettorendite aus denselben Objektdaten automatisch – so lässt sich der schnelle Marktvergleich und die genaue Einzelfallprüfung ohne doppelten Rechenaufwand nacheinander durchführen.